![]() |
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
|
Gros Glogau, die Haupt-Stadt dieses Fürstenthums Kupferradierung, koloriert. Aus dem Atlas von Johann David Schleuen, Das souveraine Hertzogthum Ober- und Nieder-Schlesien, nebst der souverainen Grafschaft Glatz (...), Berlin, nach 1742. |
||||||||||||||
| Geschichte der Stadt Glogau | ||||||||||||||
Geschichte der Stadt GlogauGlogau, in der fruchtbaren Oderniederung gelegen, gehörte über viele Jahrhunderte hinweg zu den wichtigsten Städten Schlesiens. Die seit dem späten Mittelalter aufgrund ihrer strategischen Lage prosperierende Stadt litt im 30jährigen Krieg großen Schaden, von dem sie sich erst im Laufe des 18. Jahrhunderts erholte. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts, nach 1740, wurde Glogau zu einer Festung ausgebaut, was sein Erscheinungsbild nachhaltig prägte. Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt zum großen Teil zerstört. Im Laufe der Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg entstanden neue Wohngebiete für die polnischen Zuwanderer; die alte deutsche Stadt dagegen wurde in weiten Teilen eingeebnet und erlebt heute in einigen Bereichen ihre Wiedergeburt mit dem originalgetreuen Aufbau einzelner Baudenkmale und ganzer Straßenzüge. Glogaus Geschichte in ZahlenEtwa 500 vor Christi bis 375 nach Christi war das Odertal nachweislich vollständig und allein von germanischen Stämmen besiedelt (Lemnowier, Semnonen, Burgunder, Helvekonen, Lugier, Harier, Marsigner, Buren ), wie die gesamte Landschaft zwischen Elbe, Weichsel und Bug. Glogau ist nach dem Chronisten Knispel von Semnonen gegründet worden, einem westgermanischen Stamm. Um 350 nach Christi waren die Burgunder und die SILINGER im Odertal, nach denen SCHLESIEN seinen Namen erhalten hat. S. Gr. Brockhaus, Band 4, S 527. Etwa ab 375 nach Christi: Durch die germanische Völkerwanderung, verursacht durch den Hunneneinbruch aus dem Osten, rückten slawische Stämme aus dem Osten nach. Die germanischen Siedlungen waren zerstört worden. 98o n.Chr. baut Fürst Miesko GLOGAU aus alten verfallenen Brandresten, den Trümmern des verlassenen germanischen Ortes, wieder auf (Münzfunde von Miesko aus dem 10.Jahrhundert) - welch eine Parallele zur Gegenwart! - Dieses Glogau lag rechts der Oder (spät. Dominsel, Lerchen-berg, Zerbau). Nach dem sog. "Gelben Buch", einer handschriftl. Chronik aus dem 16.Jahrhundert, soll GLOGAU seinen Namen von dem poln. ,glog' = Dornbusch erhalten haben, da dieser Ort rechts der Oder durch fortwährende kriegerische Auseinandersetzungen zerstört worden sei, wonach die Trümmer von Dornbüschen überwucherten. - Wieder: welch eine Parallele zur Gegenwart ! -GLOGAU also = Dornenstadt (Nun, auch das 98o von Miesko neu gegründete Glogau hat inzwischen einen "dornenreichen" Weg hinter sich, den letzten Teil davon haben wir ja leider miterleben müssen!) Um 1000: Einführung des Christentums auch im Glogauer Land. Ab 1120: Besiedelung des linken Oderufers, teils schon mit deutscher Bevölkerung. 1186 Vermählung des Piastenherzogs Heinrich I. (Sohn und Nachfolger Boleslaws des Langen und einer deutschen Prinzessin) mit der Tochter Hedwig des Herzogs Bertold von Meran auf Schloß Andechs am Ammersee/Oberbayern. 12o2-1238: Heinrich I.(der Bärtige) selbständiger schlesischer Herzog. Er macht das Herzogtum Schlesien auf den Grundlagen deutscher Kultur zum Mittelpunkt eines ansehnlichen Reiches zwischen Pommern und der Tatra. Freundschaft mit dem polnischen Großfürst Wladislaw Laskonogi. Seine Frau, Herzogin H e d w i g , wird später heilig gesprochen und ist bis heute die Landesmutter der Schlesier. 1238-1241: Heinrich II.(der Fromme) setzt die Kulturpolitik seines Vaters fort; Deutsche und Polen bebauen gemeinsam das schlesische Land in friedlicher Nachbarschaft. 1241 überfielen Tartaren und Mongolen Schlesien. In der Schlacht bei Wahlstadt nahe Liegnitz stellen sich ihnen alle wehrfähigen Männer entgegen. Deutsche und Polen kämpfen gemeinsam gegen die Eindringlinge aus Asien,, so dass damals Europa gerettet wurde und nicht das Schicksal des heutigen Irak und Syrien erlitt, deren damals hohe Kultur durch den Mongoleneinfall zerstört wurde. Bis heute haben sich diese Völker vom Mongolensturm nicht erholt. - Deutsche und polnische Siedlungen bestanden in der Folgezeit nebeneinander, die deutschen Dörfer nach deutschem (Magdeburger) Recht, die polnischen oft noch von poln. Grundherren abhängig. 1252-1273: Konrad II., Piastenherzog, Begründer der Glogauer Herzoglinie. Er nannte sich ,Herzog von Glogau', war der Gründer der Glogauer Kollegiatkirche und ruht in der Domkirche zu Glogau. Um 1260 erhielt Glogau das deutsche Stadtrecht. 1291: Großer Brand von Glogau 1295; Die Pest in Glogau Ende 13.Jhd. Bau des Dorns, damals schon das Münzrecht in Glogau 14.Jhd. Pfarrkirche , noch älter die Dominikanerkirche. 1331: nach dem Tode von Primko, dem letzten unmittelbaren und unabhängigen Herzog v. Glogau, fiel Glogau als Lehen der Krone von Böhmen zu. 1347-1378: Die Zeit unter Kaiser Karl IV. brachte eine friedliche und glückliche Entwicklung für die Stadt. Danach Kleinkriege zwischen den Herzögen. 1335 ,1338, 1356 u. 1372 feierliche Verträge, mit denen die polnischen Könige auf alle Zeiten auf ihre vermeintlichen schlesischen Ansprüche verzichtet haben. Seit 1163 (Lehensverhältnis) bzw. 1335- (Vertrag von Trencin vom 24.8.1335) ist Schlesien ein Bestandteil des Deutschen Reiches und in seiner nationalen, kulturellen, religiösen, kirchlichen u. wirtschaftlichen Struktur ein deutsches Land. -pacta sunt servanda- 1488: ließ Herzog Hans der Grausame, der im Gebiet um Glogau eine Gewaltherrschaft ausübte, sieben unschuldige Glogauer Ratsherren im Schlossturm verhungern. Ihre Leiden beschrieben sie in einem Tagebuch. 1489: wurde Hans der Grausame vertrieben und durfte auf Königsgebot Glogau nicht mehr betreten. Er starb in Armut in Wohlau. Ab 1489: belehnte der König von Böhmen - im Deutschen Reich - polnische Prinzen mit Glogau, unter denen Sigismund durch Gerechtigkeit und Fürrsorge herausragte. Er wurde schließlich König von Böhmen. 1516: Glogau unter König Ludwig von Böhmen. Die Reformation hielt zeitig Einzug im Glogauer Lande. 30 kath. Kirchen wurden evangelisch. 1526: Glogau kommt durch Erbschaft unter Österreich. 1537: Erbvertrag zwischen Friedrich II. von Liegnitz und dem Kurfürsten Joachim von Brandenburg. Dieser begründet 2oo Jahre später die Ansprüche Friedr. d. Großen auf Schlesien. 16. u. 17. Jahrhd. (Anf.) brachte unter Österreich die größte Blüte für das Glogauer Land; die Stadt hatte damals schon 2o-25.ooo Einwohner. 1615: Stadtbrand vernichtet 1042 Gebäude u. Rathaus, 14 Stadttürme, Pfarrkirche, Franziskanerkloster, Teile des Do minikanerklosters, Klarissenkloster u.a. 1616: ANDREAS GRYPHIUS in Glogau geboren, am 2.Oktober. 1618-1648: Dreißigjähriger Krieg, in dem Glogau sehr viel Notzeiten erleben musste. Andreas Gryphius schildert diese Zeit anschaulich in seinen Schriften und Dichtungen. Er war damals Syndikus der lutherisch. Stände des Erbfürstentums Glogau. Er gilt als Deutschlands größter Dramatiker des Barock. 1643: Einnahme Glogaus durch die Schweden. Erstes ,Schifflein Christi' im Haus am Markt. 1651: (nach dem 3o-j.Krieg): evang. ,Hütte Gottes' 300 m vor den Toren der Stadt ; alle anderen Kirchen wieder katholisch. Ab 1625: Gegenreformation unter Führg. der Jesuiten, Ab 1653: Kirch-u.Kollegiumsbau Breslauer Straße, Jesuitenstraße Ab 1696: Bau der großen Jesuitenkirche 1656 hatte Glogau nur noch 3oo Einwohner, und wieder kam die Pest in die Stadt. Viele 'Pestkreuze' an den Häusern. 1664: ANDREAS GRYPHIUS stirbt in Glogau am 16.Juli 1720: Erneuerung des Rathausturmes 1740: Erster schlesischer Krieg. Friedrich der Große beansprucht Schlesien nach dem Erbvertrag von 1537. Pacta sunt servanda! - Die Stände kommen den Preußen größtenteils freundlich entgegen, da die Verwaltung der Habsburger und die Benachteiligung der in der Mehrzahl (2/3) protestantischen Schlesier durch das kath. Kaiserhaus zu Unfrieden Anlass gegeben hatte. 22.Dez.174o -8.März 1741: Belagerung der Festung Glogau durch die Preußen. Glogau blieb danach in der Hand der Preußen. 1759: Das Glogauer Land wird durch Kosaken verwüstet, mehrere Dörfer, z.B. Brieg, Herrndorf, Wilkau, Herrnstadt und Stadt Guhrau brennen ab. Ab 1742: Ausbau der Festung Glogau durch die Preußen. 1743-1750: Oderregulierung Ab 1742: Umgestaltung der Verwaltung und Rechtspflege nach preuß. Muster 1742: Erste Straßenbeleuchtung 1758: Großer Stadtbrand, entstanden im Jesuitenkollegium. Stadt um Jesuitenstraße, Preußische Straße, Friedenskirche, Stadtpfarrkirche und das Dorf Brostau brannten nieder. Dichterin Anna Karsch: Gedicht über diesen Brand. Bis 1771 gab Preuß. Kammer Zuschüsse zum Wiederaufbau der Bürgerhäuser. 1764: Grundsteinlegung zum neuen ,Schifflein Christi', der Friedenskirche von Glogau. 1773: Einweihung d. Schifflein Christi. 1788: Jesuitenkolleg wieder aufgebaut. 1806: Belagerung Glogaus durch die Franzosen -Napoleon- 1 .Dezember Kapitulation 7 1/2 Jahre lang französische Besetzung von Glogau 1812: Napoleon in Glogau Sept. 1813 bis April 1814: Belagerung der französisch besetzten Festung Glogau durch die Verbündeten: Preußen und Russen 10.April 1814: Kapitulation der französisch. Besatzung (Ostern). 1815 hatte Glogau 7769 Einwohner 1825-184o: Neuer Aufschwung Glogaus. 184o: 14.543 Einwohner 1831: Cholerafälle in Glogau und Herrndorf. 1837: "Kleinkinder-Bewahranstalt" Ab 1825: Ausbau des konfessionellen Schulwesens 1839: Gründung einer Armenschule neben der Bürgerschule 1838: 31 Ortschaften des Kreises Glogau durch Oderwasser überflutet. Wilkau vollständig zerstört. 16 Tote. 1846: Glogau wird über Sagan an die Berlin-Breslauer Eisenbahn angeschlossen 1849: Choleraepidemie: 105 Tote, in Priedemost u. Herrndorf 100 Tote 1853: Bau der Gasanstalt 1854: Gasbeleuchtung der Straßen 1861: Der erste Turnverein wird gegründet (Glogauer Turnverein v. 1861) 1861: Die ,Grauen Schwestern' beginnen ihre Tätigkeit in Glogau, aus Neiße kommend, Elisabeth-Krankenhaus 1861: Die ,Diakonissen' fangen ihre segensreiche Tätigkeit in Glogau an und gründen 1871 das Krankenhaus ,Bethanien' 1863: Erste ständige Feuerwache nach Berliner Vorbild wird eingerichtet 1858: Bau der Eisenbahnbrücke in Richtung Lissa; dadurch Verbindung nach Posen, Danzig, Königsberg 1866: nahmen auch Glogauer Soldaten am Feldzuge teil (Inf. Rgt.58 u.59 u. Pionier-Btl.5) 1870/71: waren auch Glogauer Truppenteile beteiligt. Kriegsgefangene Franzosen brachten die "schwarzen Pocken" mit: 92 Tote unter der Zivilbevölkerung, 767 unter den Soldaten Ab 1860: Stadterweiterung: Rüstervorstadt; Mietwohnungen, Privathäuser, Fabrikanlagen, Eisenbahnwerkstätten, Gasanstalt, Stärkefabrik, Eisengießereien, Turmuhrenfabrik, Brauerei, Tonwarenfabrik, Hutfabrik, Umschlaghafen an der Oder 1872: Durchbruch des ,Bahnhofstores, durch den Festungsgürtel, das Tor wurde 1908 im Zuge der ,Entfestigung Glogaus' wieder abgebrochen. An der Bahnhofstraße waren inzwischen die Prachtbauten der Firmen Flemming u. Bauch entstanden (Flemming und Wiskott :Verlag u. Kunstdruck; größte u. vielseitigste graphische Kunstanstalt Ostdeutschlands, Zeitungsdruck: Niederschles .Anzeiger im ,Flemming-Haus'. Bauch'sche Weinkellereien). 1871 : Eisenbahnverkehr Glogau - Liegnitz in Betrieb gen. 1876: Erweiterung der Stadt nach Osten (Kriegsschule ,Kommandantur , Garnisonlazarett) 1888: Umbau der Oderbrücke (alte Holzbrücke) 1892: Einweihung des Postgebäudes am Wilhelmsplatz, Bau der Synagoge 1894: Einweihung Elisabeth-Krankenhaus in der Wingenstraße 1896: Einweihung des Städtischen Krankenhauses 1895: Bau der Mädchenbürgerschule u.d. Höheren Töchterschule i. d. Gryphius-Straße 1890: Schiffbauanstalt in Zarkau 1897: Zarkauer Zuckerfabrik 19o2 bis 1913: Entfestigung im Süden und Westen der Stadt. Ausbau der Hohenzollern-Straße und König-Straße, zehn öffentliche Bauten und 100 private Wohnhäuser 1906: Guhrauer Eisenbahnstrecke 1907/9: Neubau der Oberrealschule am König-Friedrich-Platz 1906/7: Bau des Elektrizitätswerks in der Schützenstraße an d.Oder 1908/11: Neubau des Evang.Reform Realgymnasiums in der Herrndorfer-Straße (Hindenburg- Gymnasium) 1911/12: Gründung des SC-Preußen u. des Glogauer Schwimmvereins Der Krieg 1914/1918 unterbrach die Entwicklung der Stadt, der Neubau der Oderbrücke, der schon Jahre hindurch vorbereitet war, wurde jedoch 1914 mit dem Bau des linksseitigen Landpfeilers begonnen. Im Sommer 1915: Bau des rechtsseitigen Landpfeilers u.d.Strompfeilers.1916: Aufstellung des Montagegerüsts für die Stahlkonstruktion und am 3.Juni 1917 wurde die feierliche Übergabe an den Verkehr vollzogen. Die Brücke erhielt den Namen "Hindenburgbrücke". Sie wurde von einem Ingenieur aus Hannover konstruiert und von der Firma Beuchelt aus Grünberg /Schlesien gebaut. Oberbürgermeister Dr. Soetbeer zerschnitt das Band und nahm mit Vertretern von Staat, Provinz u. Kreis Glogau die Weihe vor. Nach dem Krieg ab1919: Trotz schwerer Zeit wieder reges Kulturleben. Gründung eines Stadtorchesters sowie Aufschwung der Sportvereine, der Singakademie u.d. Theaters 1926/7: Bau des Stadions (Schenkendorff-Platz) 1932/35: Bau des neuen Bahnhofs, der lange als einer der modernsten Bahnhöfe für Mittelstädte galt und der vor der Zerstörung 1945 bewahrt geblieben ist. Ab 1935 bis 1939: Verstärkung der Garnison, Kasernenbauten an den Rändern der Stadt. Im Kriege 1939 bis 1944 wenig von den Kriegsereignissen betroffen. Stadt u. Kreis Glogau galten als ,Luftschutzkeller' für Berliner und Westdeutsche bis Januar 1945. Ende Januar 1945 Räumung der Stadt und des Landkreise bei eisiger Kälte (über -20 Grad) vor der herannahenden Front der sowjetrussischen Armee. Nur ein kleiner Teil der Zivilbevölkerung und die militärische Besatzung der zur Festung erklärten Stadt blieben zurück. 9. Februar 1945. Der Ring um die Stadt durch die sowjetrussische Armee ist geschlossen, und die Stadt verteidigt sich unter Führung des Festungskommandanten Oberst Jonas Graf zu Eulenburg, einem Ostpreußen, mehr als sechs Wochen tapfer, bis die letzte Munition verschossen war. Dann fiel die Festung GLOGAU in den Morgenstunden des ersten Osterfeiertages am 1.April 1945 , zu 90 % zerstört, den Sowjets in die Hände, unter grausamsten Leiden der noch Überlebenden. - Quellen: Andreas GryphiusTränen des Vaterlandes Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret! Die Türme stehn in Glut. Die Kirch ist umgekehret. Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut. Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, |
||||||||||||||
| zum Seitenanfang | ||||||||||||||
| zum Seitenanfang | ||||||||||||||
| zum Seitenanfang | ||||||||||||||