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| Auch wenn es hier „Um Kopf und Kragen” - so der Titel des neuen Buches - gehen soll, so geht es in dieser Erzählung doch weniger martialisch zu, denn dem Autor war offenbar mehr an dem Wortspiel gelegen, mit dem er die bewegte Kindheit eines Glogauer Jungen beschreiben wollte. Die Moral seiner Geschichte, wenn es denn eine geben sollte, deutet er mit einem Geleitwort Winston Churchills an: „Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht früh zu machen.” Man liest zunächst von der unbeschwerten Kindheit eines Zehnjährigen, der seine Heimatstadt an der Oder liebevoll beschreibt und mit allerhand Lausbübereien von sich reden macht. Noch ist alles friedlich, denn von dem Krieg, in dem sich das Land befindet, ist hier nichts oder kaum etwas zu spüren. Unbeschwert und unbedarft nimmt er seine Umwelt wahr und findet auch nichts dabei, sich im Jungvolk des neuen Reiches und zugleich als Ministrant in der katholischen Kirche zu betätigen. Ernst wird es erst, als er in der Schule für eine Napola, eine bis dahin in der Öffentlichkeit weithin unbekannte Nationalpolitische Erziehungsanstalt, geworben wird, und seine Eltern, um die Zukunft des Jungen besorgt, zögernd ob der Unwägbarkeiten, letztendlich doch zustimmen. Für den inzwischen Elfjährigen beginnt damit ein - wie er es wahrnimmt - großes Abenteuer, das ihn nach Wollstein im damaligen Wartheland und in den Ferien sogar bis nach Wien und in die Steiermark führt. Als das Dritte Reich zusammenbricht, kommt er auf seiner Flucht mit dem Fahrrad wieder durch Glogau, dann über Neuzelle und Potsdam bis nach Naumburg/Saale, wo die Jungens ihrem Schicksal überlassen werden. Unser Hannes, wie ihn seine Freunde rufen, inzwischen 13 Jahre alt, hat Glück im Unglück, denn auf verschlungenen Umwegen findet er seine inzwischen ebenfalls evakuierte Familie im Erzgebirge wieder. Hier beginnt seine zweite Odyssee. Mit Handwagen geht es nach Kriegsende wieder in Richtung Osten, um in die schlesische Heimat zurückzukehren, was aber nur einigen Verwandten vorübergehend gelingt, er aber mit seinen Leuten an der Lausitzer Neisse scheitert und sich auf die schwierige Suche nach einen Neuanfang begibt. Die Handschrift der Erzählung verrät den Autor als Journalisten, der ordentlich recherchiert, historische Hintergründe erhellt und Zusammenhänge hergestellt hat, in die er das Schicksal des Jungen einbettet. Zwar gibt er zu, daß die Geschichte autobiografische Züge trägt, daß nicht alles realitätsgetreu ist, Personen und Namen zum Teil frei erfunden sind, aber letztendlich ist es - wie er im Nachwort betont doch etwas mehr als nur eine Familienchronik geworden. |
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